Die Optikstadt hat eine neue Linsenfirma: Der gebürtige Rathenower Peter Kaps hat im Alter von 26 Jahren ein Unternehmen gegründet. „Kaps Vision“ produziert Sonderlinsen in großen Stärken und mit besonderen Formen. Ihre Spezialität: Wo bislang bis zu drei Teilstücke von verschiedenen Linsen zusammen geklebt werden, fräst Kaps alles aus einem Stück.

Rathenow. Die „Stadt der Optik“ hat eine Optik-Firma mehr. Am 8. November hat der 26-jährige Rathenower Peter Kaps das Unternehmen „Kaps Vision“ gegründet. Es produziert Brillengläser, die zum Sonderlinsenbereich zählen, weil sie außergewöhnliche Stärken oder Formen haben. Sie werden für Menschen gebraucht, deren Fehlsichtigkeit erheblich oder ungewöhnlich ist.

Peter Kaps arbeitet in der Firma gemeinsam mit seinem Vater Lothar Kaps (61), der als Prokurist und Technischer Leiter tätig ist. Beide zusammen blicken zurück auf fast 50 Jahre Branchenerfahrung.

Ihr Metier ist der Bereich „Low Vision“, in dem es um individuelle Lösungen für Menschen mit starken Sehbeeinträchtigungen geht. Es sind für den Anfang vor allem zwei Produktgruppen, in denen das Unternehmen punkten will.

Die Lieferzeiten sind wesentlich kürzer

Zunächst die Franklin-Linsen. Sie werden traditionell aus Teilstücken verschiedener Linsen zusammengesetzt. Sie werden miteinander verklebt, bestehen im Sonderlinsenbereich meist aus bis zu drei Stärken und sind erkennbar an den Kanten.

Kaps Vision fertigt die Linsen jetzt aus einem Teil. Wo es sonst viel Handarbeit gab, läuft die Fertigung in einem Fräsvorgang ab. Das spare Material, Zeit und Arbeit, erklärt Peter Kaps. Die Lieferzeiten seien wesentlich kürzer.

Die zweite Produktgruppe sind Sonderlinsen, bei denen ein Linsenteil in die Mitte einer anderen Linse geklebt wird. Auch hier fräst Kaps Vision die Sonderlinsen aus einem Stück.

Das gibt es zwar schon auf dem Markt. Die Rathenower wollen aber in den Segmenten für Kinder und mit besonders hohen Wirkungen erfolgreich sein.

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In diesem Markt hat man nicht aus dem Stand Erfolg. Peter Kaps hat extra bei einem Low-Vision-Augenoptiker gelernt und schließt in einem halben Jahr seine Ausbildung zum Augenoptiker-Meister ab.

Zur Vorbereitung auf die Selbstständigkeit hat er mit dem Lotsendienst für Gründer im Landkreis Havelland kooperiert. Er nahm an einem Workshop teil und bekam einen Unternehmensberater an die Seite. Im Unterschied zu anderen Gründern ist sein Businessplan mit 70 Seiten etwas länger geworden.

Investitionen in Höhe von 250 000 Euro

Immerhin liegt die Anfangsinvestition bei 250  000 Euro. Die Firma hat bei einem anderen Optikunternehmen einen gebrauchten Maschinenpark erwerben können, mit dem sie gut ausgestattet ist. Sie hat außerdem zwei neue Maschinen in Auftrag gegeben, die speziell für sie hergestellt werden.

Mitte April sollen sie geliefert werden und im Juni die Produktion aufnehmen. Es hatte sich gefügt, dass die Halle einer Firma im Gewerbegebiet Süd frei geworden ist, wo Kaps Vision nun produzieren kann.

Fördermittel sind möglich, weil Rathenow ein Optik-Cluster ist

Weil die Stadt Rathenow vom Land als Cluster im Bereich Optik eingestuft worden ist und Kaps Vision von den Wirtschaftsförderern als innovativ klassifiziert wurde, konnte das Unternehmen auch Fördermittel beantragen.

In der Firma arbeiten bislang drei Leute. Neben Sohn und Vater ist dort auch noch Mutter Sabine tätig. Das erste Konzept geht von bis zu fünf Arbeitskräften aus. Erste Aufträge hat das Unternehmen bereits.

Familie Kaps hat auch schon im Januar die große Branchenmesse Opti in München besucht. Kunden aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz hätten Interesse gezeigt, berichtet Peter Kaps. Natürlich sei die Gründung auch ein Wagnis, gibt er zu, ergänzt aber gleich: „Wir haben ein paar neue Ideen und sind optimistisch, dass wir bestehen.“

Quelle:MAZ

Von Bernd Geske